Wirbelsäulentherapie aus einer Hand
Wirbelsäulenspezialist Dr. Matthias Spalteholz erklärt, wie Rückenschmerzen individuell und häufig ohne Operation behandelt werden können – von der Diagnose bis zur Reha.
Neuer Wirbelsäulenspezialist in Bad Düben: „Nicht jeder Rückenschmerz muss operiert werden“
Mit Dr. med. Matthias Spalteholz wird die Wirbelsäulenchirurgie am MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben in Sachsen wieder ausgebaut. Damit knüpft der Standort an seine langjährige Erfahrung in diesem Fachbereich an.
MEDICLIN bietet orthopädischen Patientinnen und Patienten in Bad Düben und Leipzig nun eine lückenlose Betreuung aus einer Hand: vom ersten Praxisbesuch in der Wirbelsäulensprechstunde von Dr. Spalteholz im MVZ Leipzig, über die Behandlung im Waldkrankenhaus und der Reha-Klinik in Bad Düben bis zur Nachsorge im MVZ Leipzig.
Im Interview erklärt Wirbelsäulenspezialist Dr. Spalteholz, wie Rückenschmerzen heute individuell und oft ohne Operation behandelt werden können, welche Erkrankungen im Alter häufig auftreten und wann eine Operation sinnvoll sein kann.
Herr Dr. Spalteholz, Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Wie ordnen Sie dieses Krankheitsbild aus ärztlicher Sicht ein?
Rückenschmerzen sind tatsächlich eine Volkskrankheit. Nahezu jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens betroffen. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um sogenannte unspezifische Rückenschmerzen. Das bedeutet, dass wir keine eindeutige strukturelle Ursache identifizieren können. Außerdem passen bildgebende Befunde und die tatsächliche Symptomatik nicht immer zueinander. Das ist für die Therapieentscheidung ein ganz wesentlicher Punkt.
Viele Patientinnen und Patienten verbinden Rückenschmerzen schnell mit einem Bandscheibenvorfall oder einer OP. Wann sind Operationen am Rücken notwendig?
Diese Sorge begegnet uns sehr häufig. Tatsächlich ist es so, dass degenerative Veränderungen der Wirbelsäule – also Verschleißerscheinungen – mit zunehmendem Alter ganz normal sind. Sie sind oft Teil eines natürlichen Alterungsprozesses.
Entscheidend ist daher immer die klinische Gesamtsituation. In vielen Fällen lassen sich Rückenschmerzen oder ein Bandscheibenvorfall sehr gut konservativ behandeln, also ohne Operation. Unser Ansatz ist klar: Wir prüfen zunächst alle nicht-operativen Möglichkeiten und entwickeln gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ein individuelles Behandlungskonzept.
Welche Erkrankungen der Wirbelsäule sehen Sie als Wirbelsäulenspezialist in Ihrer täglichen Praxis besonders häufig?
Im Alter stehen vor allem degenerative Erkrankungen im Vordergrund. Dazu gehören beispielsweise die Osteochondrose oder die Spondylarthrose, also Verschleißveränderungen an Bandscheiben und Wirbelgelenken.
Ein weiteres häufiges Krankheitsbild ist die Spinalkanalstenose. Dabei kommt es zu einer Verengung des Wirbelkanals, was typischerweise zu einer eingeschränkten Gehstrecke führt, auch „Schaufensterkrankheit“ genannt.
Auch Osteoporose der Wirbelsäule spielt eine wichtige Rolle, insbesondere im Hinblick auf Frakturen und deren Folgen für Mobilität und Lebensqualität.
Wie lassen sich Rückenschmerzen ohne Operation behandeln, welche Rolle spielt die konservative Therapie bei diesen Krankheitsbildern?
Die konservative Therapie, also die Behandlung von Rückenschmerzen ohne OP, ist in der Regel der erste und wichtigste Schritt. Wir sprechen hier von einem strukturierten Ansatz über mehrere Monate. Dazu gehören Bewegungstherapie, Physiotherapie, medikamentöse Schmerztherapie und – je nach Situation – auch interventionelle Verfahren wie Infiltrationen.
Sehr wichtig ist außerdem der rehabilitative Ansatz. Multimodale Therapiekonzepte, die Bewegung, Training und edukative Maßnahmen kombinieren, zeigen oft sehr gute Ergebnisse – sowohl in Bezug auf Schmerzreduktion als auch auf die Funktionsfähigkeit.
Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten wieder in Bewegung zu bringen und ihre Selbstständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen.
Wann kommt eine operative Therapie für Sie als Wirbelsäulenspezialist in Betracht?
Eine Operation prüfen wir dann, wenn klare medizinische Indikationen vorliegen. Dazu gehören beispielsweise anhaltende Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie über mehrere Monate oder neurologische Ausfälle mit funktioneller Relevanz.
Auch die Einschränkung der Lebensqualität spielt eine wichtige Rolle. Wenn Patientinnen und Patienten beispielsweise durch eine Spinalkanalstenose nur noch sehr kurze Strecken gehen können, kann eine operative Dekompression zu einer deutlichen Verbesserung führen.
Wichtig ist: Die Entscheidung für oder gegen eine Operation treffen wir immer individuell und gemeinsam mit den Patientinnen oder Patienten.
Welche Vorteile bieten moderne operative Verfahren heute?
Die Wirbelsäulenchirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Viele Eingriffe können heute minimalinvasiv durchgeführt werden, also über sehr kleine Zugänge. Das hat den Vorteil, dass das Gewebe geschont wird, die Belastung für den Körper geringer ist und sich die Erholungszeit verkürzt.
In vielen Fällen bedeutet das auch einen kürzeren Krankenhausaufenthalt. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Technik, sondern die richtige Indikationsstellung – also die Frage, ob eine Operation überhaupt notwendig ist.
Ein besonderes Merkmal des Standorts Bad Düben ist die enge Verzahnung von ambulanter Versorgung, Klinik und Rehabilitation. Was bedeutet das konkret für die Patientinnen und Patienten?
Das ist tatsächlich ein großer Vorteil unseres Standorts. Wir begleiten die Patientinnen und Patienten über den gesamten Behandlungsprozess hinweg. Der erste Kontakt findet häufig in der Sprechstunde im MEDICLIN MVZ Leipzig statt. Dort klären wir die Beschwerden und besprechen die nächsten Schritte.
Sollte eine stationäre Behandlung notwendig sein, erfolgt diese im MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben – und im Anschluss kann direkt die Rehabilitation im selben Haus stattfinden. Die Nachsorge erfolgt wiederum ambulant im MVZ Leipzig.
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das: kurze Wege, bekannte Ansprechpartner und eine sehr enge Abstimmung zwischen den einzelnen Behandlungsphasen.
Welche Rolle spielt dabei das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis?
Eine sehr große. Gerade bei chronischen Beschwerden ist Vertrauen ein entscheidender Faktor. Die Patientinnen und Patienten lernen ihren behandelnden Arzt durch die Wirbelsäulen-Sprechstunde früh kennen und werden möglichst durchgehend von derselben Person begleitet.
Das schafft Sicherheit und erleichtert auch die Therapieentscheidung, weil man die individuelle Situation über den gesamten Verlauf hinweg kennt.
Zum Abschluss: Was möchten Sie Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen mit auf den Weg geben?
Zunächst einmal: Rückenschmerzen sind in den meisten Fällen gut behandelbar – und eine Operation ist deutlich seltener notwendig, als viele befürchten.
Wichtig ist, frühzeitig eine fundierte Abklärung vorzunehmen und sich nicht vorschnell auf eine bestimmte Therapie festzulegen. Bewegung, Geduld und eine individuell abgestimmte Behandlung spielen bei Rückenschmerzen eine zentrale Rolle.
Und: Es lohnt sich, die Beschwerden ernst zu nehmen und gezielt anzugehen – denn mit dem richtigen Konzept lässt sich in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung erreichen.
